Skill-Will-Matrix: Teamwachstum fördern durch die richtige Balance aus Motivation und Fähigkeiten

Skill Will Matrix Illustration

In einer sich stetig wandelnden Arbeitswelt, in der Talentbindung und individuelle Entwicklung immer wichtiger werden, brauchen Führungspersonen Werkzeuge, die einfach anzuwenden sind – und im Arbeitsalltag wirklich unterstützen. Die Skill-Will-Matrix ist eines dieser Werkzeuge. Sie hilft dabei, Teammitglieder gezielter einzuschätzen und individuell zu begleiten. In diesem Artikel zeigen wir, wie die Matrix funktioniert, wie sie in der Praxis eingesetzt werden kann – und warum sie kein starres Bewertungsinstrument ist, sondern ein Ausgangspunkt für echten Dialog.

Was ist die Skill-Will-Matrix?

Die Skill-Will-Matrix (auch bekannt als Kompetenz-Motivations-Matrix) beruht auf einer einfachen, aber wirkungsvollen Idee: Der Beitrag einer Person hängt nicht nur von ihren Fähigkeiten (Skill), sondern auch von ihrer Motivation (Will) ab. Wer beides mitbringt, erzielt in der Regel gute Ergebnisse – wer in einem der beiden Bereiche Unterstützung braucht, profitiert von einer gezielten Begleitung.

Die Matrix unterteilt Teammitglieder in vier Kategorien:

  1. Hohe Kompetenz, hohe Motivation: Diese Mitarbeitenden sind selbstständig, kompetent und engagiert. Sie benötigen keine enge Begleitung, sondern vor allem Gestaltungsspielraum und Entwicklungsmöglichkeiten.
  2. Hohe Kompetenz, geringe Motivation: Hier steckt ungenutztes Potenzial. Gründe für die geringe Motivation können eine Über- oder Unterforderung, fehlende Wertschätzung oder persönliche Herausforderungen sein.
  3. Geringe Kompetenz, geringe Motivation: Diese Kombination erfordert besondere Aufmerksamkeit. Es gilt zu prüfen, ob die Person in der passenden Rolle ist – und welche Entwicklungsmöglichkeiten es geben könnte.
  4. Geringes Geschick, hoher Wille: Diese Mitarbeiter sind lernwillig, verfügen aber nicht über die erforderlichen Fähigkeiten. Sie profitieren von Coaching, strukturierter Anleitung und praktischer Schulung, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

Individueller Fit: Hilft dabei, Mitarbeitende so einzusetzen, dass sie ihr Potenzial entfalten können – motiviert, engagiert und leistungsfähig.

Die Skill Will Matrix

Welche Art von Motivation ist gemeint?

Motivation ist nicht eindimensional. Die Skill-Will-Matrix wird umso wirkungsvoller, wenn wir verstehen, warum jemand motiviert – oder demotiviert – ist. Grundsätzlich lassen sich zwei Arten unterscheiden:

  • Intrinsische Motivation: Entsteht aus dem Inneren – durch Freude an der Aufgabe, Interesse am Thema oder den Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung. Sie gilt als besonders nachhaltig und kraftvoll.
  • Extrinsische Motivation: Beruht auf äußeren Anreizen wie Gehalt, Anerkennung, Status oder sozialem Druck. Sie kann kurzfristig wirken, hält jedoch oft nicht langfristig an.

Für Führungspersonen bedeutet das: Zu verstehen, welche Art von Motivation eine Rolle spielt, ist keine theoretische Übung – sondern entscheidend, wenn es darum geht, jemanden wirksam zu unterstützen. Es lohnt sich, Arbeitsumfelder zu schaffen, die intrinsische Motivation fördern – durch sinnstiftende Aufgaben, Eigenverantwortung und ehrliches Feedback.

Fragen zur Reflexion:

  • Was treibt diese Person an?
  • Was gibt dieser Person Energie?
  • Was kostet viel Energie oder fühlt sich belastend an?

Die Matrix als Führungsinstrument

Die Skill-Will-Matrix ist kein statisches Bewertungsinstrument, sondern ein dynamisches Framework für Führung. Sie hilft dabei, Reflexion anzustoßen, Gespräche zu strukturieren und individuelle Entwicklungsmaßnahmen abzuleiten. Besonders hilfreich ist sie in Mitarbeitergesprächen, bei Onboardings oder in der Zielvereinbarung. Statt sich ausschließlich auf vergangene Leistungen zu konzentrieren, schafft sie eine gemeinsame Basis für zukunftsorientierte Gespräche.

Kurzanleitung für den Einsatz in Gesprächen:

  • Beginnen Sie mit einer eigenen Einschätzung (Kompetenz/Motivation).
  • Bitten Sie die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter um eine Selbsteinschätzung.
  • Reflektieren Sie etwaige Unterschiede gemeinsam.
  • Definieren Sie konkrete Maßnahmen und nächste Schritte.
  • Bleiben Sie im regelmäßigen Austausch und passen Sie die Unterstützung bei Bedarf an.

Beispielhafte Reflexionsfragen für Führungskräfte:

  • Wie bewerte ich derzeit die Fähigkeiten und die Motivation meiner Teammitglieder?
  • Was hat sich in den letzten Monaten geändert?
  • Wo liegen die Stärken? Wo gibt es Raum für Wachstum?

Praktische Maßnahmen auf der Grundlage der Skill-Will-Matrix

Praktische Handlungen für jeden Quadranten

Häufige Stolperfallen vermeiden

Vorschnelle Schlüsse ziehen: Eine momentane geringe Motivation bedeutet nicht automatisch fehlenden Willen – möglicherweise stimmt einfach der Kontext nicht.

  1. Voreilige Schlüsse: Geringe Motivation in einem bestimmten Moment bedeutet nicht, dass jemand nicht willens ist - vielleicht ist der Kontext nicht der richtige.
  2. „Kompetenz“ mit Abschlüssen oder Berufsjahren gleichsetzen: Technische Fähigkeiten sind oft sichtbar – doch soziale und methodische Kompetenzen sind genauso entscheidend.
  3. Ruhige Teammitglieder unterschätzen: Motivation zeigt sich nicht immer laut oder offensichtlich – Engagement kann auch leise und subtil sein.

Stärken und Beschränkungen der Matrix

Die Matrix ist ein Ausgangspunkt – kein Etikett. Sie lebt von Offenheit, Dialog und einem gemeinsamen Verständnis von Entwicklung. Weil sowohl Kompetenz als auch Motivation dynamisch sind, lohnt es sich, die Einschätzung regelmäßig gemeinsam mit dem Team zu reflektieren.

Ein zentraler Vorteil der Skill-Will-Matrix ist ihre Einfachheit. Sie bietet Führungspersonen eine gemeinsame Sprache, um über Teamdynamiken zu reflektieren – auch ohne umfangreiche HR-Erfahrung oder spezielle Diagnosetools. Die Anwendung ist unkompliziert, und das dahinterliegende Prinzip lässt sich leicht vermitteln.

Doch gerade diese Einfachheit bringt auch eine Grenze mit sich: Die Matrix bildet nur zwei Dimensionen ab. Externe Faktoren wie organisatorischer Wandel, psychologische Sicherheit oder das Teamklima bleiben unberücksichtigt – dabei haben sie oft großen Einfluss auf Leistung und Motivation.

Deshalb sollte die Matrix nie isoliert oder als starres Kategorisierungsinstrument verwendet werden. Am wirkungsvollsten ist sie als Gesprächsanstoß – kombiniert mit Neugier, Erfahrung und echtem Interesse an der Entwicklung von Menschen.

Von der Matrix zur Praxis: So wenden Sie sie im Alltag an

Beispiel aus dem Arbeitsalltag: Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten mit einem Teammitglied, das noch wenig Erfahrung hat, aber sich regelmäßig freiwillig für neue Aufgaben meldet, viele Fragen stellt und spürbare Energie mitbringt – dabei aber oft wichtige Details übersieht. In der Matrix würden Sie diese Person im Feld „Geringe Kompetenz, hohe Motivation“ einordnen. Und genau das ist Ihr Signal: Bieten Sie gezieltes Mentoring an, schaffen Sie Lernräume und feiern Sie kleine Erfolge. Mit der Zeit werden Sie beobachten, wie sowohl die Fähigkeiten als auch das Selbstvertrauen wachsen.

Um den vollen Nutzen aus der Skill-Will-Matrix zu ziehen, sollte sie Teil des Führungsalltags werden. Das bedeutet: nicht nur bei formellen Mitarbeitergesprächen einsetzen, sondern auch in wöchentlichen Check-ins, der Projektplanung oder in Team-Retrospektiven. Mit der Zeit entwickeln Führungspersonen ein Gespür dafür, Veränderungen in Motivation und Kompetenz frühzeitig zu erkennen – und proaktiv darauf zu reagieren.

Tipp für die teamweite Reflexion: Nutzen Sie die Matrix in einem Team-Workshop, um gemeinsam Erkenntnisse zu gewinnen. Lassen Sie jedes Teammitglied sich selbst innerhalb der Matrix verorten – anonym oder offen. Die anschließende Diskussion hilft dabei, blinde Flecken, gemeinsame Herausforderungen oder Entwicklungsbedarfe sichtbar zu machen. Das stärkt Eigenverantwortung und Transparenz im Team.

Leadership-Routine: Überprüfen Sie die Positionierung Ihres Teams in regelmäßigen Abständen – zum Beispiel vierteljährlich. So lassen sich Entwicklungen nachverfolgen, Unterstützungsangebote anpassen und neue Muster frühzeitig erkennen. Dieser Rhythmus hält Führung nah an den tatsächlichen Bedürfnissen des Teams.

So setzen Sie die Matrix konkret ein

Digitale Tools können eine strukturierte Einschätzung unterstützen – zum Beispiel durch Skill-Profile, Selbsteinschätzungen oder kontinuierliche Feedbackschleifen. Sie helfen dabei, subjektive Eindrücke sichtbarer und über die Zeit vergleichbar zu machen. Besonders in komplexen, hybriden oder dynamischen Teamstrukturen kann das sehr wertvoll sein.

Wer regelmäßig Einschätzungen einholt und Veränderungen in Kompetenz und Motivation im Blick behält, kann fundiertere Entscheidungen treffen – etwa zur Teamzusammensetzung, zu Entwicklungsschwerpunkten oder zur Projektverteilung. Solche Erkenntnisse können auch Gespräche mit Mitarbeitenden unterstützen – datenbasiert, ohne das menschliche Urteilsvermögen zu ersetzen.

Doch eines bleibt unverändert: Tools allein reichen nicht aus. So hilfreich die Matrix auch ist – was wirklich zählt, sind echte Gespräche. Für eine wirksame Anwendung braucht es Offenheit, Neugier und eine Kultur des Vertrauens. Nicht nur strukturierte Einschätzungen, sondern auch ein achtsames Nachfassen machen den Unterschied.


Weitere Ressourcen

Wenn Sie tiefer in Themen wie Feedbackkultur, Entwicklungsgespräche und den Einsatz von Führungsinstrumenten wie der Skill-Will-Matrix im Alltag eintauchen möchten, empfehlen wir unseren Artikel „Team-Feedback als Wachstumstreiber“. Unsere Talent-Management-Blogserie beleuchtet die strategischen Grundlagen, praxisnahe Umsetzung und bewährte Methoden, um Potenziale im Unternehmen gezielt zu fördern.

Wenn Sie auf der Suche nach weiteren Expertenwissen sind, empfehlen wir Ihnen die folgenden Ressourcen:

Mitarbeitermotivation – News und Insights (Haufe) – Ein umfassender Überblick mit praxisnahen Ansätzen, Hintergrundwissen und Strategien zur Förderung von Motivation in Organisationen.

Mitarbeitermotivation: Auswirkungen, Relevanz und Hindernisse (WPGS) - Ein gut recherchierter Artikel, der die wachsende Bedeutung der Motivation auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse hervorhebt.

Fazit

Die Skill-Will-Matrix liefert nicht alle Antworten – aber sie hilft, bessere Fragen zu stellen. Sie bietet eine klare und praxisnahe Möglichkeit, einzuschätzen, wo Teammitglieder aktuell stehen und welche Art von Unterstützung wirklich sinnvoll ist. Richtig eingesetzt, unterstützt die Matrix Führungspersonen dabei, den Schritt vom Bauchgefühl zur strukturierten Entwicklungsplanung zu gehen – ohne dabei die Individualität der Menschen aus dem Blick zu verlieren.

Bei regelmäßiger Anwendung und echten Gesprächen wird die Skill-Will-Matrix mehr als nur ein Modell – sie wird zu einer Denkweise, die Klarheit, Einfühlungsvermögen und Orientierung bietet. Gerade in einem dynamischen Umfeld hilft sie dabei, nicht erst auf Leistungseinbrüche oder Motivationsverluste zu reagieren, sondern frühzeitig Entwicklungspfade zu gestalten und den Schwung im Team aufrechtzuerhalten.

Dafür braucht es keine großen Programme oder zusätzlichen Tools – sondern die Bereitschaft, innezuhalten, zu reflektieren und zuzuhören. Die Skill-Will-Matrix schafft eine gemeinsame Sprache, mit der Teams über das sprechen können, was wirklich zählt: Fähigkeiten, Energie – und wie beides gemeinsam wachsen kann.

Kein Werkzeug ersetzt Führung. Aber dieses Tool hilft Ihnen, nah an Ihrem Team zu bleiben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Menschen sinnorientiert zu entwickeln und eine Arbeitskultur zu gestalten, in der sowohl Motivation als auch Kompetenz gesehen, geschätzt und gefördert werden.

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